Blogtour "Todesschwestern" von Arwyn Yale - Tag 5

Heute ist es soweit :-) Nachdem ihr schon einiges über das Buch erfahren habt, werde ich euch jetzt einen kleinen Ausblick auf den zweiten Teil geben. Meine Rezension zum ersten Teil "Todesschwestern" findet ihr hier:  Todesschwestern

 

Der zweite Fall, den Nathan O´Brian, ein Privatdetektiv, übernimmt, heißt "Sei mein Tod".

Klappentext (von amazon):

 

Kayley Dugall ist eine polizeibekannte Ausreißerin. Als sie erneut verschwindet, nimmt die Polizei die Sache nicht sonderlich ernst, hatte sie doch erst kurz zuvor im Beisein mehrerer Polizisten ihr erneutes Weglaufen angekündigt. Privatdetektiv Nathan O’Brian wird schnell klar, dass Kayley in großer Gefahr schwebt, als er auf ihrem Laptop einen Songtext findet, der zu einem Entführungsfall im Jahr 1991 führt. Damals war die zwölfjährige Samantha Slater über ein Jahr lang in der Gewalt eines Entführers gewesen, dessen Identität sie aus Angst nie preisgab. Bei seinen Nachforschungen gerät Nathan an die Grenze seiner Belastbarkeit, denn die Ermittlungen bringen seine eigene Familie in Gefahr …

 Wie ihr ja wahrscheinlich in meiner Rezension gelesen habt, hat mir der erste Teil richtig gut gefallen. Der zweite Teil der Reihe um Nathan O´Brian beinhaltet ca. 50 Seiten mehr als der erste Teil, so dass wir den Protagonisten noch etwas besser kennen lernen können, was mir aus sicherer Quelle auch so bestätigt wurde. ;-)

 

Arwyn Yale versicherte mir, dass es in dieser Reihe so viele Teile geben wird, bis ihr die Ideen oder die Leser ausgehen. Das Zweitgenannte wird wohl so schnell nicht passieren, denn ich kann mir gut vorstellen, dass der zweite Teil ähnlich spannend ist wie der erste Teil. Ihr merkt, ich habe den Nachfolger selber noch nicht gelesen, allerdings werde ich mich beeilen müssen, denn der dritte Teil ist auch schon in Arbeit und wird noch mehr Seiten - ca 350 an der Zahl - umfassen. 


Im ersten Teil hat nicht nur Nathan eine große Rolle gespielt, sondern auch seine Schwester, die ein Geheimnis umgibt. Audrey leidet nämlich unter einem Putzwahn und Nathan ist der Meinung, dass sie sich nur in einer sauberen Umgebung sicher fühlen würde. Ich habe mich beim Lesen gefragt, wovor sie sich sicher fühlen möchte. Es ist wirklich gemein, dass der Auslöser für ihren Putzwahn zwar irgendwann aufgedeckt wird, allerdings befürchte ich, dass es nicht im zweiten Teil passieren wird. Also müssen wir immer schön dran bleiben. 


Damit ihr schon mal einen Einblick in das Buch bekommt, habe ich hier eine kurze Leseprobe von "Sei mein Tod" für euch. 


1.Kapitel

 

1991


Mit dem Zeigefinger malte sie Ketchupblüten auf die Tischplatte. Nur mit Mühe konnte sie ihre Augen offen halten, die Lider wollten immer wieder zufallen. Ihr Blick glitt durch den schmalen Spalt der Gardine. Sie wagte es nicht, sie weiter beiseite zu schieben, denn Tilly sah es nicht gern, wenn sie nach draußen schaute. Dabei gab es eigentlich gar nichts zu sehen. Der Wohnwagen stand vor einem Hügel, dessen Gras von der Sonne halb verdorrt war. Hierhin verirrte sich nie jemand. Der Strand lag ganz auf der anderen Seite. Sie konnte die Möwen kreischen hören, sogar bei verschlossenem Fenster. Und wenn Tilly die Tür öffnete, um hinein- oder hinauszugehen, roch sie die salzige Seeluft.
Einmal hatte Tilly sie dabei erwischt, wie sie ihre Zunge rausstreckte, um die Salzluft zu schmecken, damit sie sie etwas länger bei sich haben konnte. Doch Tilly hatte sie angeschnauzt, sie solle gefälligst den Mund schließen. Sie würde ordinär aussehen. Was immer das bedeuten mochte. Sie hatte nicht nachgefragt. Es war besser, Tilly in Ruhe zu lassen. Sie mochte keine dummen Fragen.
»Mach das sauber, Gwen!«
Sie schrak zusammen.
Mit verschränkten Armen vor der Brust funkelte Tilly sie an.
Sie hatte sie gar nicht hereinkommen hören. War sie kurz eingenickt?
»Ich heiße nicht Gwen! Hör auf, mich Gwen zu nennen!« Tränen rannen ihre Wangen hinab, bevor sie etwas dagegen unternehmen konnte.
Klatsch! Tilly hatte ihr eine Ohrfeige verpasst.
»Du bist meine Gwen! Verstehst du? Meine Gwen!«
Das Mädchen nickte, rieb sich mit der Hand über die brennende Wange und schluchzte.
»Bitte, lass mich nach Hause gehen! Bitte Ms Mc…«
»Ich heiße ab jetzt Tilly oder Mum, und so hast du mich anzureden, wenn du nicht eine Tracht Prügel bekommen willst!« Spucke flog aus Tillys Mund; ein dicker Tropfen landete auf einer Ketchupblüte.
Gwen schluckte und blickte auf die rote Blume, die sie innerhalb der letzten Stunde so liebevoll gezeichnet hatte. Ring für Ring, bis sie einer Rose ähnelte. Nun war sie beschmutzt. Verdorben. Ruiniert. Nicht einmal eine Blume aus Ketchup ließ sie ihr.
Widerwillig nahm das Mädchen den Lappen vom Stuhl und wischte damit über den Tisch, bis die Brandlöcher wieder zum Vorschein kamen. Sie hasste diesen Ort. Alles war dreckig und klebte, und es war so stickig und warm. Sie vermisste ihre Freunde und fragte sich, was sie jetzt wohl machten. Bestimmt trafen sie sich jeden Tag am Palace Pier und schnorrten sich Geld für die Karussells. Rob erzählte sicher wieder lustige Geschichten über seine verrückte Tante, die jeden Sommer zu Besuch kam, und die anderen würden ununterbrochen lachen. Ihn vermisste sie am meisten. Rob. Seine wuscheligen blonden Haare und die hellblauen Augen sorgten dafür, dass jedes Mädchen aus der Schule ihn toll fand. Er hatte sie ins Kino eingeladen.
Doch Tilly hatte sie hierher gebracht – einen Tag vor der Verabredung. Ob er glaubte, dass sie ihn versetzt hatte? Gewiss. Wie lange mochte das nun her sein? Zwei Wochen? Drei? Sie hatte kein Zeitgefühl mehr. Seit sie hier war, schlief sie viel, und 7
selbst wenn sie wach war, befand sie sich in einer Art Halbschlaf. Sie vermutete, dass Tilly ihr etwas in den Saft schüttete, das sie müde machte.
Suchten ihre Freunde sie? Suchte die Polizei sie? Ihre Eltern bestimmt nicht. Die waren vermutlich froh, sie los zu sein. Ihr Vater hatte in den letzten Monaten immer wieder gesagt, wie lästig sie sei. Lästiger als ein zugelaufener Hund. Den könnte man wenigstens erziehen. Bei ihr sei das alles sinnlos. Sie sei viel zu blöd, um etwas zu verstehen.
»Ich muss noch mal weg. Hier trink das!« Tilly schob ihr ein Glas Orangensaft über den Tisch.
»Hab keinen Durst.«
»Du trinkst, wenn ich es sage!«
»Ja, Ma’am.« Mit zittrigen Händen umklammerte sie das Glas und führte es vorsichtig zum Mund. Sie spürte, dass Tilly sie mit ihrem Blick durchbohrte. Sie trank es in einem Zug aus und reichte Tilly das Glas, die es gleich darauf abwusch, danach drehte sie sich zu dem Mädchen um und betrachtete sie eine Minute lang.
»Wie ist dein Name?«
»Gwen«, flüsterte sie und band ihre langen Haare so zusammen, dass sie ihr nicht mehr am Nacken festklebten. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als eine kalte Dusche. Aber das Wasser war knapp. Tilly erlaubte ihr bloß, zweimal in der Woche zu duschen, weil sie nicht öfter den Wassertank füllen wollte. Es gab auch Duschen auf dem Campingplatz. Aber sie durfte fast nie nach draußen. Nur, wenn sie ihren Saft getrunken hatte und Tilly sie an die Hand nahm.
»Das habe ich nicht verstanden.« Tillys Stimme hatte diesen gefährlichen Unterton angenommen, vor dem das Mädchen sich zu fürchten gelernt hatte.
»Gwen«, sprach sie daraufhin mit fester Stimme.
»Richtig. Du heißt Gwen.« Sie ging auf das Mädchen zu, gab ihm einen Kuss auf die Kopfhaut und nahm ihre Jacke von der Sitzbank.
An der Tür drehte sie sich noch einmal um.
»Schlaf ein bisschen! Bis später.« Sie ging hinaus und schloss den Wohnwagen ab.
Gwen überlegte nicht lange, sprang auf und rannte zur Spüle, steckte sich den Finger in den Hals und würgte.
Als nur noch Galle kam, sank sie erschöpft zu Boden. Sie durfte jetzt nicht einschlafen. Sie musste zusehen, dass sie die Tür aufbrach. Vielleicht konnte sie sie eintreten? Aber dazu war sie vermutlich nicht stark genug – mit ihren dünnen Beinchen. Vielleicht fand sie Werkzeug, um sie aufzubrechen. Irgendwo hatte sie einen Schraubenzieher gesehen, mit dem Tilly zwei Schrauben am Bett nachgezogen hatte.

 

 

Hier noch mal alle Stationen im Überblick:

 

Tag 1: Leseprobe und Covervorstellung bei Katja von MissRose´s Bücherwelt. 
Tag 2: Flaschendrehen mit Nathan, dem Protagonisten von "Todesschwestern" bei Jasmin von Bücherleser 
Tag 3: Julia von Juna liest wird euch Brighton etwas näher bringen und ein Interview mit Arwyn Yale führen
Tag 4: Hintergrundinfos zum Buch bei Barbara von Babsleben 
Tag 5: Vorschau auf den zweiten Teil bei mir :-) 


Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren möchtet, dann besucht doch mal ihre Homepage. Sie hat nicht nur Thriller geschrieben, sondern auch Fantasy und Chick-Lit. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    karin (Freitag, 20 März 2015 07:24)

    Hallo und guten Tag,

    ziemlicher Hammer dieser Einblick in den Roman. Armes Gwen!!

    LG..Karin..