Interview mit Markus Ridder

Wie ich es euch bereits Ende Oktober angekündigt habe, freue ich mich, euch heute das Interview mit Markus Ridder präsentieren zu dürfen. Es ist das erste Interview überhaupt auf meinem Blog und ich freue mich sehr, dass Markus sich bereit erklärt hat, mir und den Teilnehmern an dem Gewinnspiel ein paar Fragen zu beantworten. 

 

Markus hat bisher drei Bücher veröffentlicht. "Die Krabbe" im Jahr 2009, dann folgte im Jahr 2011 "Der Blütenstaubmörder" und ganz aktuell - aus August 2014 "Die Rückkehr des Sandmanns". 

Die letzten beiden Bücher habe ich bereits gelesen und kann sie euch wärmstens empfehlen. 

 

Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen des Interviews :-)

Hallo Markus,

 

erst einmal vielen Dank, dass Du Dich bereit erklärt hast, mir und den Lesern meines Blogs ein paar Fragen zu beantworten. Ich habe die Fragen der Leser in meine Fragen eingearbeitet.

 

Ich habe auf Deiner Homepage gelesen, dass Du gerne kreativ bist und gerne reist. Hast Du überhaupt noch Zeit für diese Hobbys? Das Schreiben lebst Du ja, wie wir wissen, aus :-)

 

Haha, ja, da gebe ich wirklich alles. Tatsächlich wird es gerade schwierig mit zeitaufwändigen Hobbys wie Reisen. Ich habe ja auch noch einen kleinen Nebenjob als Kommunikationsberater. Aber die besten Reisen unternimmt man ja ohnehin im Kopf ;-)

 

Wie lange hat es gedauert, bis aus der Idee das Buch "Die  Rückkehr des Sandmanns" wurde? Und wie bist Du überhaupt auf diese Idee gekommen?

 

Bei dem Buch geht es um die Welt der Träume. Zwar gibt es zahlreiche Theorien dazu, warum wir überhaupt träumen und was Träume aussagen. Dennoch ist diese Welt noch nicht vollends entzaubert – das interessiert mich, weil es dem Leben sein Geheimnis lässt und Raum für die Phantasie des Autors lässt. Trotz allem sind die Träume nur das Hintergrundpanorama einer ganz anderen Geschichte, in der es um Liebe geht. Übersteigerte Liebe. Liebe, die in Hass umschlägt. Und ich liebe Thriller, in denen Liebe ein Motiv ist. Auch in „Der Blütenstaubmörder“, meinem vorletzten Buch, spielt falsch verstandene Liebe eine gewichtige Rolle. Ich trage dieses Thema also schon die ganze Zeit mit mir herum und habe es jetzt einfach nur mal rausgelassen. 

 

Die Protagonistin wird ja im Buch nicht wirklich ernst genommen. Hast Du dazu mit Fachleuten gesprochen - es wäre immerhin möglich, dass es sowas wirklich gibt - oder sind das nur Deine eigenen Ideen?

 

Die Protagonistin träumt die Träume fremder Frauen. Alle um sie herum, suchen nach rationalen Erklärungen für das Phänomen, keiner fragt sich: Könnte es vielleicht stimmen, was sie sagt? Das ist das, was ich meine: Wir legen immer unsere althergebrachten Deutungsmuster an, was nicht in die Schablonen passt, wird passend gemacht. Vielleicht übersehen wir dabei ja etwas. Und tatsächlich bin ich in der Bücherei auf ein Buch gestoßen, in dem ähnliche Phänomene unter wissenschaftlichen Bedingungen beschrieben werden. Es ist mehr möglich, als man denkt.

 

Welche Recherchen machst Du, bevor Du Dich daran machst, einen Thriller/Krimi zu schreiben? Und unterscheiden diese Recherchen sich sehr voneinander?

 

Ja, die Recherchen sind sehr unterschiedlich und hängen stark vom Thema ab. Für „Die Rückkehr des Sandmanns“ habe ich nur in Bibliotheken und im Internet recherchiert. Ich hatte durch mein Studium hier auch schon einige Vorkenntnisse. Bei meinem nächstes Buch, das eine Fortsetzung von „Der Blütenstaubmörder“ sein wird, geht es um das „Dritte Reich“ und die unmittelbare Nachkriegszeit. Da war ich auch in Archiven, habe mit Experten telefoniert und mir alte Filme mit Marlene Dietrich angesehen. 

 

Wie kann ich mir den Schreibprozess bei Dir vorstellen? Fängst Du einfach an drauf los zu schreiben, so dass sich die Personen entwickeln, während Du schreibst oder hast Du alles von Anfang an festgelegt? Manche Autoren schreiben ja immer mal ein Stück und dann wieder an einer anderen Stelle weiter. Ist das bei Dir auch so?

 

Ich hab da so den mittleren Weg gewählt: Ich schreibe mir Kapitelweise auf, was wann passiert und welche Wendungen es gibt. Das sind meistens so fünf bis zehn Seiten. Dann fange ich an zu schreiben, doch oft ändert sich etwas, ich habe eine neue Idee oder die Protagonisten machen auf einmal etwas, was den Handlungsverlauf verändert. Dann muss ich natürlich den gesamten Plot anpassen. Aber ich schreibe nicht durcheinander. Und ich hasse es, etwas umschreiben zu müssen.

 

Was ist Dir beim Lesen, was beim Schreiben wichtig und wie sehr hängst Du emotional an Deinen Protagonisten?

 

Beim Lesen ist es mir wichtig, eine spannende Geschichte in einem guten Stil erzählt zu bekommen. „Die Rückkehr des Sandmanns“ ist im Vergleich dazu eher stark von der Geschichte getrieben. Sicherlich nicht ohne stilistische Ansprüche, aber die wenigsten werden eine Szene ein zweites Mal lesen, weil sie denken: oh, das ist aber gut geschrieben. Mir war es hier wichtiger, Spannung zu erzeugen, der Leser soll bis zum Ende hin mitfiebern. Ein zu anspruchsvoller Stil lässt einen manchmal nicht richtig in die Geschichte abtauchen. Und ob ich emotional an meinen Protagonisten hänge? Eher nicht. Es kann jeden treffen.

 

Als Leser rutscht man ja oft in die Rolle des Protagonisten und erlebt alles hautnah mit. Wie ist das bei Dir als Autor? Lebst Du die Handlung ebenfalls mit?

 

Ich denke, ja. Ich versuche mich so tief in die Situation fallen zu lassen, wie möglich. Bis ich sehen, riechen, fühlen und hören kann, was da geschieht.

 

Du hast das Buch ja selber veröffentlicht. Ist es dadurch schwieriger die Bücher zu verkaufen? Ich stelle mir vor, dass es viel mehr Arbeit ist, weil Du selber werben musst und auch aktiv auf Blogger etc. zugehen musst.

 

Ach, die Verlage machen ja auch nur Werbung für sehr wenige Bücher. Da bin ich es schon gewohnt, selber mitanzupacken. Ich finde es auch schön, mit den Bloggern in Kontakt zu stehen. Es haben sich bei einigen bereits virtuelle Freundschaften gebildet, das ist im Grunde eine wunderbare Sache.

 

Deine Marketingaktion mit den versendeten Briefen war für mich eine gelungene Idee, das Buch bekannt zu machen. Ich selber habe auch mitbekommen, wie geteilt die Meinungen über diese Aktion waren. Kannst Du beurteilen, ob Du im Endeffekt die richtige Wahl getroffen hast?

 

Du spielst darauf an, dass ich an einige Krimiblogger die Todesanzeige einer meiner Protagonistinnen geschickt habe. Ob das eine gute Idee war, ist schwierig zu beurteilen: Ich weiß ja nicht, wie sich das Buch ohne die Aktion verkauft hätte. Allerdings sind mir einige deiner Kollegen so böse, dass sie niemals wieder ein Buch von mir lesen wollen. Das wird sich sicherlich nicht positiv auswirken.

 

Welche Reaktion hast Du bei den Empfängern des Briefes erwartet? Wenn ich richtig informiert bin, haben die Menschen in Deinem Umfeld mit Begeisterung reagiert.

 

Ja, die Kumpels sagten: Das ist eine coole Idee, mach das! Bei den Empfängern war die Meinung geteilt. Einige fanden die Idee gelungen und haben das Buch auch besprochen. Andere waren moralisch entsetzt und hätten am liebsten eine Bücherverbrennung organisiert.

 

Hast Du schon eine neue Idee für ein  Buch und wann dürfen wir mir einer neuen Veröffentlichung von Dir rechnen?

 

Das nächste Buch ist schon geschrieben und liegt bei Günther Butkus vom Pendragon Verlag. Ich denke, er wird es im Spätsommer 2015 herausbringen. Über den Titel diskutieren wir noch.

 

Kannst Du Tipps geben, wie man an ein Buch heran geht, wenn man Ideen hat und selber nicht weiß, wie man anfangen soll?

 

Einfach anfangen. Zehn Jahre weiterschreiben. Und dann von vorne beginnen.

 

Welches bekannte Buch hätte sicherlich ein anderes Ende, wenn Du es geschrieben hättest?

 

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

 

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet und es ist bitterkalt. Um nicht zu erfrieren musst Du ein Feuer entfachen, weit und breit ist aber kein brennbares Material in Sicht, bis auf die fünf folgenden Bücher: Die Bibel, Der Herr der Ringe, Die Säulen der Erde, Sherlock Holmes – Sämtliche Werke und Die Blechtrommel. Welches Buch fliegt zuerst ins Feuer und warum?

 

Hab hiervon nur Sherlock Holmes und die Blechtrommel gelesen – also müssen die zuerst dran glauben.

 

Welches Buch liest Du zur Zeit und kannst Du es uns empfehlen?

 

Martin Suter, der Teufel von Mailand. Hm, bisher das Schwächste von ihm würde ich sagen. Bin aber erst beim ersten Drittel ...

 

Hast Du als Leser Lieblingsgenres oder liest Du nur Krimis und/oder Thriller?

 

Ich lese im Grunde alles außer Fantasy und Kochbücher.

 

Auf Deiner Homepage schreibst Du, dass Du eine Schülerband hattest. Machst Du heute auch noch Musik und was ist Dein bevorzugter Musikstil (als Musiker und als Hörer)?

 

Nein, meine Zeiten als Rockstar sind vorbei. Gut, die Luftgitarre-Nummer packe hin und wieder aus. Aber mein Musikgeschmack hat sich auch gewandelt. Früher war ich eher für die alten Rock-Klassiker. Heute mag ich neue Formen des Tangos (Astor Piazzolla - Live at The Montreal Jazz Festival, Juan Carlos Caceres ft. Daniel Melingo - No me rompas los bolas, Daniel Melingo - Sin Luna – und natürlich: Gotan Project - tango Full Album) und Bossa Nova und solche Sachen. Ich bin aber immer auf der Suche nach neuen Musikstilen. Neulich habe ich Anouar Brahem (Anouar Brahem Trio - Liqua) entdeckt – wirklich faszinierend.

 

 

 

Dann warten wir doch mal auf den Spätsommer 2015 und somit auf Dein neues Buch!

Wenn ihr mehr über Markus wissen wollt, besucht doch mal seine Homepage

 

Und für euch interessierte Leser habe ich hier die Links zu Markus Büchern - zum sofort bestellen :-D

 

 

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